Belgien befindet sich im April 2026 im Zentrum eines einzigartigen Rechtsparadoxons. Während die Regierung unter der Ministerin für Asyl und Migration, Annelies Van Bossuyt, versucht, die „strengste Migrationspolitik der EU“ umzusetzen, blockieren die höchsten Gerichte des Landes — der Verfassungsgerichtshof und der Staatsrat — diese Initiativen systematisch.
Anfang April 2026 erreichte die Situation ihren Höhepunkt: Die Gerichte setzten die neuen Gesetze nicht nur aus, sondern warfen der Regierung faktisch vor, die Grundprinzipien des Rechtsstaates zu ignorieren.
Juristische Blockade: Chronik der Ereignisse 2026
Die wichtigsten Ereignisse drehen sich um zwei Gesetze vom Juli und August 2025, die bis zum Frühjahr 2026 vollständig in Kraft treten sollten.
Urteil Nr. 23/2026: Recht auf menschenwürdige Aufnahme
Der Verfassungsgerichtshof setzte Bestimmungen aus, die es der Agentur Fedasil erlaubten, Personen, die bereits in anderen EU-Ländern Schutzstatus genießen, Unterkunft und Verpflegung zu verweigern.
- Was das bedeutet: Die Regierung ist nun verpflichtet, allen Antragstellern während der Bearbeitung ihres Falls eine Unterkunft zu gewähren, unabhängig von ihrer „europäischen Vorgeschichte“.
- Begründung des Gerichts: Menschen auf der Straße sich selbst zu überlassen, verstößt gegen Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Verbot unmenschlicher Behandlung).
Urteil Nr. 24/2026: Schlag gegen die Familienzusammenführung
Diese Entscheidung traf die Regierung am härtesten. Das Gericht fror Änderungen ein, die Folgendes einführten:
- Eine obligatorische 2-jährige Wartezeit vor der Beantragung der Familienzusammenführung für subsidiär Schutzberechtigte.
- Erhöhte Einkommensanforderungen (mindestens 110 % des Basissatzes) und strengere Wohnraumnormen.
- Neue Verwaltungsgebühren für die Bearbeitung von Dokumenten.
Vergleich: Situation „Vorher“ vs. „Nachher“ (April 2026)
| Kategorie | Regierungsplan (2025-2026) | Aktuelle Realität (Gerichtsurteil) |
| Wartezeit | 24 Monate nach Statuserhalt. | 0 Monate. Antragstellung sofort möglich. |
| Einkommen | Nur Einkommen des Sponsors zählt. | Einkommen beider Partner zählt (Urteil Nr. 38/2026). |
| Fedasil-Aufnahme | Ablehnung bei Schutz in anderem EU-Land. | Pflicht zur Aufnahme. Obdachlosigkeit ist unzulässig. |
| Gebühren | Neue Gebühren (bis zu 1000 €). | Blockiert. Es gelten die alten Sätze. |
| Wohnraumprüfung | Extrem strenge QM- und Sanitärnormen. | Ausgesetzt. Es gelten Standardnormen. |
Was sollten Migranten und Expats jetzt tun?
Die „Einfrierung“ der Gesetze schafft ein einzigartiges Zeitfenster. Während der Verfassungsgerichtshof auf Antworten des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) in Luxemburg wartet, gelten in Belgien die alten, liberaleren Regeln.
- Antrag auf Familienzusammenführung: Wenn Sie geplant hatten, 2 Jahre zu warten – vergessen Sie es. Beantragen Sie jetzt, solange das Gesetz ausgesetzt ist.
- Einspruch gegen Ablehnungen: Wenn Ihr Visum D wegen unzureichenden Einkommens des Sponsors abgelehnt wurde, berufen Sie sich auf das Urteil Nr. 38/2026 vom 2. April 2026, das die Berücksichtigung des Einkommens beider Partner vorschreibt.
- Diplomanerkennung: Trotz des politischen Lärms bleibt das Anerkennungsverfahren (NARIC/Equivalence) stabil, die Anforderungen an Übersetzungen sind jedoch strenger geworden.
Die Besonderheit des April 2026 liegt darin, dass Ministerin Annelies Van Bossuyt öffentlich erklärte, ihre Politik trotz der gerichtlichen Verbote fortzusetzen. Dies löste scharfe Kritik bei Menschenrechtsaktivisten und Juristen aus.
Der Staatsrat (Conseil d’État) erließ Ende März eine Eilverfügung, in der er feststellte, dass „die Exekutive sich nicht über das Gesetz stellen darf“. Dennoch billigte die Regierung am 7. April 2026 einen Gesetzentwurf, der der Polizei das Recht einräumt, Privatwohnungen zu betreten, um Migranten mit Ausreiseanordnung festzunehmen („Hausbesuche“). Der Kampf zwischen „Hardlinern“ und „Rechtshütern“ verschärft sich also weiter.
Offizielle Quellen und Dokumente
Für detaillierte Informationen empfehlen wir die Originalquellen (verfügbar auf Französisch und Niederländisch):
- Verfassungsgerichtshof Belgien: const-court.be (Urteile 23/2026, 24/2026, 38/2026)
- Europäisches Migrationsnetzwerk (EMN Belgium): emnbelgium.be — offizielle Analysen.
- Staatsrat (Conseil d’État): raadvst-consetat.be — News zu Aussetzungen.
- Föderale Agentur Fedasil: fedasil.be — aktuelle Aufnahmebedingungen.
Fazit von Alex (WelcomeBelgium):
Der April 2026 hat gezeigt, dass Belgien ein Land bleibt, in dem die Rechtsstaatlichkeit noch immer in der Lage ist, radikale politische Initiativen zu stoppen. Wenn Ihre Rechte durch die neuen Regeln verletzt wurden — jetzt ist der Moment für den juristischen Weg.



